Rede zur Verlagerung der Tech Fak

Rede zur von der FDP beantragten Aktuellen Stunde zum Thema „Verlagerung der Technischen Fakultät der FAU“ vom 19. Januar 2017

von Lars Kittel (FDP-Fraktionsvorsitzender)

 

Lars Kittel, Fraktionsvorsitzender

 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen,

meine sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir sind als FDP-Fraktion weder bekannt noch verschrien dafür, dass wir sehr viele Anträge stellen würden; und in meiner Amtszeit als Fraktionsvorsitzender haben wir auch noch keine Aktuelle Stunde beantragt.

 

Sie mögen also daraus entnehmen, dass uns das beantragte Thema „Verlagerung der Technischen Fakultät der FAU“ sehr wichtig ist.

 

Natürlich geht es mir als Erlanger Stadtrat primär um unsere Erlanger Interessen, aber auch um eine gute Lösung für die FAU.

 

Das AEG Gelände war aber ehrlich gesagt weder ein großer Wurf für die FAU, noch ein solcher für Erlangen! Natürlich hatten die einzelnen Protagonisten ihre Gründe, hiergegen nicht oder zumindest nur mit angezogener Handbremse zu opponieren.

 

Zunächst die Universität und damit auch Sie, sehr geehrter Herr Präsident Honegger, weil man sich so schnellere und größere Investitionen für die FAU erhofft hatte. Deshalb wurde das Thema nach außen in sprichwörtlicher Nibelungentreue offensiv vertreten und inneruniversitäre Kritik offenbar klein gehalten, wie sich nun zunehmend zeigt.

Unserem Erlanger OB ist noch der geringste Vorwurf zu machen: zum einen hat er an dieser Stelle tatsächlich eine andere Metropoldenke und sieht auch keinen Grund, seinem SPD Amtskollegen Maly nicht einen größeren Anteil an der Universität zu gönnen. Auch sind die knappen Flächen in Erlangen (sowohl für Gewerbe, als auch fürs Wohnen) durchaus nachvollziehbare Gründe dafür, dass man nicht laut „hier“ schreit, wenn die Universität Expansionswünsche äußert.

 

Aber ehrlich gesagt wurden wir ja als Stadt auch überhaupt nicht wirklich gefragt. Das liegt natürlich im Wesentlichen daran, dass der Freistaat darüber entscheidet, wieviel „Sondermittel“ er welcher Universität wie und wofür zur Verfügung stellt. Und hierin liegt ja die eigentliche Krux in der Causa AEG:

 

Söder, als Nürnberger, wollte unbedingt, dass die FAU sich nach Nürnberg ausweitet und da kam die AEG Fläche gerade recht, egal ob das für die fachlichen universitären Belange gut war oder nicht. Was nicht passend war, wurde passend gemacht. Und ehrlich gesagt stand und steht auch zu befürchten, dass es bei einer Teckfak in Nürnberg zu einer Gleichmacherei mit der dortigen FH kommt. Und so findet Staatsminister a. D. Wolfgang Heubisch zum Thema TechFak – klare Worte: „Das ist keine Wissenschaftspolitik, so verhindert man Spitzenforschung. Durch solche Entscheidungen wird die von mir hochgeschätzte FAU niemals Exzellentsuniversität werden. Haben denn Wissenschaftsminister Spaenle und der örtliche Landtagsabgeordnete StM Herrmann nichts mitzureden?“  – Zitat Ende.

 

Und weil es der CSU-Mann Söder war, der den AEG Deal vorantrieb, konnte die Erlanger CSU auch nicht so dagegen aufbegehren, wie sie es nun gerne möchte oder auch nicht. Geschickt gibt es nun aktuelle Papiere von der Mittelstandunion und vom CSU-Arbeitskreis Hochschule und Kultur, Bezirksverband Mittelfranken, noch nichts aber von der CSU Erlangen, weder vom Kreisverband, noch von der Fraktion. Erst nachdem wir die heutige aktuelle Stunde beantragt hatten, kam danach von der Erlanger CSU-Stadtratsfraktion ein Antrag auf Einberufung eines runden Tisches –wohlgemerkt in Erlangen, anstatt wie zumindest vom OB bereits initiiert zwischen den Städten Nürnberg und Erlangen, den Ministerien und Hochschulen.

 

Liebe Erlanger CSU: Es ist ja schön, dass Sie sich jetzt an die Spitze der Bewegung stellen wollen; war es doch eine Absprache zwischen dem Innenminister Herrmann (Erlangen) und dem Finanzminister Söder (Nürnberg), die den Teilabzug nach Nürnberg überhaupt erst ermöglicht hätte!

 

Und somit komme ich auch schon zum Ende meiner ja nach der Geschäftsordnung auf 5 Minuten begrenzten Redezeit, zum Ausblick, zum weiteren Procedere:

 

AEG ist raus und die Karten werden neu gemischt: jetzt sollen und müssen alle Beteiligten neu miteinander sprechen, am besten ohne Schere im Kopf. Zu aller erst ist es aber notwendig, dass die Universität ihre Bedarfe ordentlich artikuliert: wieviel Grundfläche, wieviel Geschossfläche in welchen Zeitabschnitten werden von der Universität benötigt. Wie sind die funktionalen Abhängigkeiten innerhalb der FAU. Auch die Interessen der Studierenden sind hier zu berücksichtigen. Wenn man aus bisher 28 Tech-Fak Standorten nicht 2 machen kann, dann wäre schon viel geholfen, wenn es nur 3 oder 4 Standorte wären und die wenigstens gut vernetzt und erreichbar.

 

Daraus muss man einen Kriterienkatalog entwickeln, anhand dessen man sich auf die Suche nach geeigneten Flächen macht. Und schließlich müssen die Flächen realisierbar sein, denn wir planen ja keine neue Universität auf der grünen Wiese, sondern wir sprechen von einer Erweiterung der bereits in Erlangen bestehenden Tech-Fak.

 

Und es muss schon sehr, sehr gute Gründe geben, warum ausgerechnet dieser Teil der Erlanger Universität von Erlangen wegverlagert werden soll. Macht doch die Nähe zu Siemens-Campus im besonderen Maße Sinn!

 

Und es ist natürlich auch eine Grundsatzentscheidung für die Erlanger Politik –quo vadis Erlangen? Wohin sollen wir uns entwickeln. Und ja, wir sind als FDP davon überzeugt, dass ein attraktiver Universitätsstandort unabhängig von unmittelbar in Euro zu berechnenden Einnahmen auf Dauer kluge Köpfe und gute Unternehmen zu uns führen wird und damit unser Profil als Universitäts- und Wissensstadt aufrecht erhalten bleibt und damit ein Beitrag zu unserer Zukunftsfähigkeit ist. Oder anders gewendet: wir brauchen die TechFak mehr als man in Euro und Cent beziffern kann. Deswegen dürfen wir den TechFak-Standort nicht herschenken, jedenfalls nicht, wenn es keine wirklich guten und überzeugenden universitären Gründe gibt und wir nicht alle in Betracht kommenden Erlanger Flächen wohlwollend geprüft haben.

 

 

 

 

Vielen Dank!